Ja, das ist eine Halfpipe. In einem Weinkeller. In Barbaresco. Olek Bondonio war Profi-Snowboarder, bevor er zurück auf den 200 Jahre alten Familienhof kam – direkt neben Angelo Gaja. Er ist einer von vier Winzern in diesem Newsletter, die das Piemont neu denken.
Vietti: Wenn Kunst in und auf die Flasche kommt
Jedes Vietti-Etikett ist ein Original. Seit 1974 lädt die Familie Künstler ein – Maler, Bildhauer, einmal sogar Pier Paolo Pasolini. Aber Alfredo Currado war mehr als ein Kunstsammler: Er rettete den Arneis vor dem Aussterben, als die Rebsorte fast verschwunden war. 2025 wurde Vietti zum italienischen Weingut des Jahres gewählt.
Roero Arneis DOCG 2025
Arneis · Roero · ca. 20 €
Arneis heißt im Piemontesischen "kleiner Frechdachs" – die Sorte galt als schwierig und war fast ausgestorben. Alfredo Currado hat sie 1967 zurückgeholt. Der sandige Boden hier ist uralter Meeresboden, und man schmeckt das: salzig-mineralisch, mit einer Textur, die an nasse Kiesel erinnert. Zu Acciughe al verde oder – überraschend gut – zu Sushi.
Langhe Nebbiolo Perbacco DOC 2022
Nebbiolo · Langhe · ca. 24 €
Die Trauben kommen aus Parzellen in Barolo und Barbaresco – Terroir, für das andere das Dreifache verlangen. 18 Monate Ausbau, Graphit und Bleistiftmine in der Nase. Ein Nebbiolo, der nach etwas schmeckt, ohne dass man ihn zehn Jahre liegen lassen muss. Zu Brasato oder Ossobuco.
Valfaccenda: Das Roero-Kollektiv
"Valle Faccenda" – so steht es auf einer Karte von 1749. Luca Faccenda und Carolina Roggero bewirtschaften 3,5 Hektar auf sandigen Steilhängen, manche Parzellen mit Rebstöcken von 1947. Er studierte Önologie, sie entwirft die Etiketten. Mit dem SoloRoero-Kollektiv kämpfen sie für Anerkennung gegen den übermächtigen Nachbarn Barolo. "Alles ist schon in der Traube" – Lucas Philosophie des minimalen Eingriffs.
bis-lacco vino bianco 2024
Arneis, Cortese · Roero · ca. 17 €
Keine Fruchtbombe, sondern ein Kräuterwein. Kamillentee, Kerbel, nasse Kieselsteine. Die Beschreibung "fast meditativ" klingt esoterisch, trifft es aber. Bewusst schlank gehalten. Überraschend gut zu vietnamesischen Sommerrollen.
Roero rosso DOCG 2022
Nebbiolo · Roero · ca. 30 €
Abfüllung bei abnehmendem Mond – Valfaccenda nimmt das ernst. Der Wein selbst ist erstaunlich leichtfüßig, fast tänzerisch. Sauerkirsche, Thymian, Hagebutte. Kein Gramm Fett. Nebbiolo für Leute, die Barolo zu anstrengend finden. Zu Steinpilzrisotto.
Sottimano: Vierzig Tage Geduld
Wo andere längst abpressen, wartet Andrea Sottimano noch. Vierzig Tage auf der Maische, die malolaktische Gärung passiert, wenn der Keller im Frühjahr von selbst warm wird. Bio seit über vierzig Jahren, spontan vergoren, ungefiltert. Rino Sottimano hat die Lagen Ende der 1960er selbst bepflanzt – heute sind viele Reben 50-60 Jahre alt.
Pairolero Barbera d'Alba Superiore 2023
Barbera · Alba · ca. 23 €
25 Tage auf der Maische, spontan vergoren – der Wein vibriert regelrecht. Espresso-Crema, Maulbeeren, strahlende Säure. Sottimano zeigt hier, was Barbera kann, wenn man sie nicht zu einem Mini-Barolo verbiegt. Zu gegrillten Lammkoteletts.
Cottá Barbaresco DOCG 2017
Nebbiolo · Barbaresco · ca. 65 €
Die Tannine sind fast kaubar – straff, aber nicht rau. Majoran, Vetiver, Schwarztee. Ein Barbaresco, der Struktur zeigt, ohne zu posen. Jetzt trinkreif, hält aber noch zehn Jahre. Zu Ente mit Rotkraut oder Cassoulet.
Olek Bondonio: Vom Snowboard zum Barbaresco
Ein professioneller Snowboarder kehrt zum 200 Jahre alten Familienhof zurück und macht Barbaresco neben Angelo Gaja. Im Keller steht eine echte Skateboard-Halfpipe – Sie haben sie oben gesehen. Keine Website, kein Tasting Room – stattdessen teilt er Fotos von Kätzchen. Die Cascina La Berchialla thront am legendären Roncagliette Cru. Biodynamisch, kompromisslos, begehrt.
Vino Rosso "The Drunk Fly"
Barbera · Langhe · ca. 26 €
Ein Alltagswein von jemandem, der auch 70-Euro-Barbaresco macht. Reinsortiger Barbera, naturnaher Ausbau. Rote Kirschen, weiche Tannine, lebendige Säure. Zu Pizza oder gegrilltem Gemüse.
Barbaresco Roncagliette DOCG 2021
Nebbiolo · Barbaresco · ca. 71 €
50 Jahre alte Reben, die in Bondonios Vorgarten stehen. Schwerer Lehm auf blauem Mergel, zwei Monate Maischegärung. Rosenblätter, Lavendel, getrocknete Kirschen. Feinkörnige Tannine. Ein Wein, der zeigt, was passiert, wenn jemand Zeit hat. Zu Rehrücken oder Castelmagno.
Was diese Weine verbindet: Nebbiolo, der nicht schwer sein muss. Arneis, der mehr kann als erfrischen. Und Winzer, die wissen, wann sie eingreifen müssen – und wann nicht.
Herzliche Grüße aus Berlin,
David und das Team von
Lebendige Weine
P.S.: Zum Nebbiolo empfehlen wir das Zalto Universal und den Zalto Dekanter Mystique – eine Stunde Luft macht bei Barbaresco den Unterschied.