Warum verlässt jemand freiwillig die berühmteste Weinappellation Spaniens? Juan Carlos López de Lacalle tat es 2015. Seine Antwort war klar: „Ich will schreiben können, woher meine Weine stammen." Nicht nur „Rioja" – sondern die tatsächliche Parzelle. Der Hang. Der Boden.
Was in Burgund selbstverständlich ist, war in der DOCa Rioja lange verboten. Doch eine neue Generation bricht mit den alten Regeln. Sie verlegt Keller in Höhenlagen. Sie erntet früher. Das Ergebnis: Weine mit atlantischer Kühle statt mediterraner Schwere.
Artadi: Der Einzellagen-Rebell
Laguardia, 620 Meter über dem Meeresspiegel. Die Sierra de Cantabria schirmt die Weinberge vor der Mittagshitze ab. Hier arbeitet Juan Carlos mit dem, was Burgunder „Climats" nennen würden: Einzelne Lagen auf Kalkstein, jede mit eigenem Charakter. Seit dem Austritt aus der DOCa gilt Artadi als eines der besten Weingüter Spaniens.
Viñas de Gain Tinto 2022
Tempranillo
Rioja Alavesa · ca. 33 €
Zwölf Parzellen rund um Laguardia, alle oberhalb von 500 Metern. Die Höhenlage bewahrt eine Säure, die man in der Rioja selten findet. Sauerkirsche wechselt zu Veilchenduft, darüber liegt ein Hauch Graphit. Die Struktur erinnert an kühlen Pinot Noir. Fein, präzise, ohne jede Schwere.
Valdegines 2022
Tempranillo
Rioja Alavesa · ca. 60 €
620 Meter Höhe. Reben von 1945. Ton-Kalk-Boden mit Kieselsteinen. Schwarzkirsche verschmilzt mit Rosmarin, mineralische Noten durchziehen dunkle Schokolade. Die Textur? Seidig, aber mit Rückgrat. Ein Wein, der erklärt, warum Juan Carlos die Konventionen hinter sich ließ.
Artuke: Die Brüder vom Ebro
Arturo und Kike de Miguel Blanco bewirtschaften 30 Hektar – aufgeteilt in 72 Parzellen. Manche liegen bei 500 Metern, andere klettern bis auf 720 Meter. Die Brüder denken burgundisch: Ganztraubenvergärung, große Holzfässer, kaum Eingriff. Ihre Weine überraschen durch eine Frische, die man in Spanien nicht erwartet.
Artuke Red Wine 2024
Tempranillo, Viura
Rioja Alavesa · ca. 11 €
Elf Euro für Bio-Rioja dieser Qualität – absurd günstig. Rote Beeren schichten sich über Pfeffer und kühle Mineralität. Leicht gekühlt serviert, ist das der perfekte Begleiter zu Pintxos oder sommerlichem Asado. Für diesen Preis: Kaufen Sie eine Kiste.
Pies Negros 2023
Tempranillo, Graciano
Rioja Alavesa · ca. 18 €
„Schwarze Füße" – eine Reverenz an die Fußstampfung. Alte Tempranillo-Reben, ergänzt durch einen Schuss Graciano für Struktur. Brombeere und Veilchen, darunter Lakritz und ein Hauch Rauch. Straff, präzise, ohne Schwere. So schmeckt die neue Rioja.
Tentenublo: Der Wind-Winzer
Viñaspre, 620 Meter über dem Meer. Der Wind peitscht über die Hochebene. Roberto Oliván macht Weine für Puristen. Zehn Hektar, biodynamisch, ohne Zusätze. V.L.A.V. – Vinos Libres de Alta Expresión Vinícola. Freie Weine mit hohem vinistischen Ausdruck. Der Name ist sein Manifest.
V.L.A.V. Vino Tinto 2022
Tempranillo, Grenache, Viura
Rioja Alavesa · ca. 15 €
Ein Field Blend aus alten Buschreben – so wurde Rioja früher gemacht. Granatapfel und Kirschkern, darüber Wacholder und salzige Mineralität. Kein Holz, keine Maske. Nur der pure Ausdruck eines windumtosten Terroirs. Lebendig und ungeschönt.
Escondite del Ardacho El Abundillano 2023
Tempranillo, Grenache, Malvasia
Rioja Alavesa · ca. 34 €
„Das Versteck des Ardacho" – eine Einzellage, benannt nach dem Ort, wo Roberto seine besten alten Reben entdeckte. Schwarzkirsche verwebt sich mit wildem Oregano, Schiefernoten durchziehen dunklen Kakao. Seidenartige Textur, beeindruckende Länge. Authentische Rioja ohne Kompromisse.
Remírez de Ganuza: Der Präzisionist
1989 baute Fernando Remírez de Ganuza den ersten mechanischen Sortiertisch Spaniens – „sie existierten nur in Büchern", erinnerte er sich. Nur die Schultern der Trauben kommen in den Wein, die Spitzen werden aussortiert. Eine Obsession für Qualität. Die Weinberge liegen zwischen 500 und 650 Metern um Samaniego.
Fincas de Ganuza Reserva 2018
Tempranillo, Graciano
Rioja Alavesa · ca. 37 €
Der Einstieg in die Welt des Perfektionisten. Tempranillo mit 15% Graciano, 24 Monate in französischer und amerikanischer Eiche gereift. Schwarzkirsche und Zedernholz, Tabak und ein Hauch Leder. Polierte Tannine, beeindruckende Länge. Klassische Rioja auf höchstem Niveau.
Blanco Reserva 2022
Macabeu, Malvasia
Rioja Alavesa · ca. 34 €
Weißer Rioja? Die meisten kennen nur Rot. Fernando zeigt, was die alten Rebsorten Macabeu und Malvasia können. Reife Birne und weiße Blüten, Haselnuss und Brioche. Vergoren und ausgebaut in französischer Eiche – komplex, aber nie schwer. Ein Weißwein, der Burgunder-Liebhaber überraschen wird.
Artazu: Die Garnacha-Retter
1996 überzeugte Randall Graham von Bonny Doon Juan Carlos López de Lacalle vom vergessenen Potenzial der Garnacha. Gemeinsam gründeten sie Artazu in Navarra. Biodynamisch, präphylloxerische Reben, Höhenlagen bis 600 Meter. Der lebende Beweis, dass Navarra mehr kann als billigen Rosé.
Pasos de San Martin 2016
100% Garnacha
Navarra · ca. 20 €
Reinsortiger Garnacha von Buschreben, die nie Reblaus gesehen haben – jetzt mit fast zehn Jahren Flaschenreife. Getrocknete Kirsche und Lorbeer, Tabak und Unterholz. Die Frucht hat sich verwandelt, die Tannine sind samtig geworden. Ein Wein, der zeigt, was Garnacha mit Zeit werden kann.
Santa Cruz de Artazu 2023
100% Garnacha
Navarra · ca. 41 €
Die Einzellage, das Flaggschiff. Präphylloxera-Reben, über hundert Jahre alt, wurzelecht auf Kalkstein in 580 Metern Höhe. Himbeere und Rosenblätter, Lavendel und Graphit. Eine Feinheit der Tannine wie bei großem Pinot Noir. Ein Wein, der beweist, dass Garnacha zu den großen Rebsorten der Welt gehört.
Ein Schluck Santa Cruz de Artazu, und plötzlich riecht es nach Rosmarin und sonnengewärmtem Kalkstein. Die Garnacha-Reben stehen irgendwo zwischen Pamplona und Logroño – präphylloxera, über hundert Jahre alt. Weit weg, und doch so nah wie der nächste Schluck.
Alle Weine aus Rioja & Navarra
Salud und herzlich aus Berlin,
David und das Team von
Lebendige Weine
P.S.: Diese Weine verlangen nach dem richtigen Glas. Das Zalto Bordeaux gibt Tempranillo und Garnacha den Raum, den sie verdienen.